Zoran Restaurierung

Euphorische Lobhudeleien, enthusiastische Beifallsbekundungen oder übertriebene Begeisterung sind eigentlich nicht meine Sache. Aber manchmal erlebt man Dinge, die solcher Superlativen würdig sind.

Die Geschichte:

Auf der Webseite von Jürgen Kamm habe ich eine P501 gefunden. Mir gefällt dieses Modell. Die Classic-Karosserie, die kurze Pritsche und sogar die hässliche Piaggio-Farbe "Urinale". Dazu kommt, dass sie etwa 40 Jahre einfach nur zum Arbeiten da war, also im unverbastelten Originalzustand ist. Natürlich hat sie dadurch einen ziemlich großen Instandhaltungs- und Pflegestau. Aber genau diese "Originalität" gefällt mir.

Am Tag darauf telefonieren wir. Durchs Telefon kann ich förmlich spüren, dass die 501 doch eine große Herausforderung ist. Denn natürlich sind während der Arbeiten auch Dinge aufgetreten, mit denen im Vorfeld nicht zu rechnen war.

Aber: Alex ist sie schon Probe gefahren, sie läuft gut, die Bremsanlage ist erneuert und er ist guter Dinge,

alles so hin zu bekommen, wie er es möchte.

Ich würde/müsste (aus Platzgründen) meine 50er TL3 abgeben. Also spreche ich mit Jürgen und werde mit ihm einig. Vorher habe ich aber noch mit Alex telefoniert, denn ohne seine Hilfe traue ich mir dieses Projekt nicht zu.

Alex kenne ich von einigen Ape-Treffen und aus den Ape-Forum. Er ist begnadeter Hobbyschrauber, unglaublich hilfsbereit, hat ein ungeheures Fachwissen und schon manche Ape restauriert und wieder zum Leben erweckt. An seiner Seite ist eigentlich immer Bennet, genau so Ape-begeistert und talentiert. Beide zusammen haben nebenberuflich eine Werkstatt und betreiben einen tollen Youtube-Kanal

Die 501, wie sie bei Jürgen stand

Und dann passiert das, was ich so wunderbar beeindruckend finde. Alex ruft mich an und sagt: "Ich habe mit Jürgen gesprochen und wir glauben, wir bekommen das hin. Ich gehe Mittwoch arbeiten, haue mich danach ein paar Stunden aufs Ohr. Dann komme ich zu dir, hole die 50er ab und fahre weiter zu Jürgen nach Bayern. Am Donnerstag kommt Bennet auch zu Jürgen. Ich habe mir Donnerstag und Freitag Urlaub genommen, so haben wir bis Samstag Zeit, die 501 in TÜV-fähigen Zustand zu bringen. Sonntag bringe ich sie dann bei dir vorbei und fahre nach Hause, weil ich ja Montag wieder arbeiten muss."

Ich bin sprachlos, begeistert und freue mich natürlich riesig über die Aussicht, dass alles so kurzfristig realisiert werden kann.

Und tatsächlich, nachts um halb zwei steht Alex, strahlend wie immer, vor unserer Haustüre und ist bereit, das Projekt zu starten.

Weil ich selbst leider nicht dabei sein kann, hat Alex mir versprochen, mich über den Fortschritt zu informieren.

Die Bilanz an Tag 1 (O-Ton Alex): Die Ape läuft mit Sprit aus dem eigenen Tank, die heftigen Schweißarbeiten sind erledigt, morgen geht's an die Bremse.

Sie ist auf dem Weg!

Es geht weiter, jetzt beginnt mein Part.

Unter Restaurierung versteht man ja im Kfz-Bereich eigentlich "Wiederherstellung in den Originalzustand".

Ich strebe aber eine "Substanz konservierende Bearbeitung" an. Alle mit den Jahren entstandenen Einsatz- und Gebrauchsspuren der Ape sollen dabei erhalten bleiben.

Tipps

Scheinwerfer

Der Reflektor des Scheinwerfers war ziemlich angerostet, lt. TÜV in nicht abnahmefähigem Zustand.

Da die beiden Schrauben zur Scheinwerfereinstellung und die Halterung direkt am Gehäuse angebracht sind, lässt er sich nicht durch einen Standardreflektor ersetzen. Leider stellte sich auch heraus, dass der Reflektor nicht mehr lieferbar ist und eine eventuelle Neuproduktion in den Sternen steht.

Nach langem Suchen im Internet bin ich hier fündig geworden. Der Händler hatte noch einen kompletten Originalscheinwerfer zu einem adäquaten Preis am Lager.

Scheibenwischer

Den Scheibenwischermotor mit dem integrierten Ein/Aus-Schalter zu ersetzen ist schon beinahe unverschämt teuer. Ich habe mich für das deutlich günstigere Modell ohne Schalter entschieden und den Ein/Aus-Schalter separat ins Armaturenbrett eingebaut.

Farbe

Für die Farbe habe ich die Möglichkeiten des Autolackcenters in Anspruch genommen. Dort kann man sich anhand eines Originalteiles die Farbe ausmessen und anmischen lassen. Zum Einsatz kommen Standox-2K-Autolacke. Ich bin mit einer Türe der Ape hingefahren und habe nach Ausmessen einen Farbton mit 97% Deckungsgleichheit erhalten. Das Farbrezept wird abgespeichert und kann jederzeit nachbestellt werden.

Es besteht auch die Möglichkeit die Farbe online zu bestellen und dafür ein Originalteil einzuschicken.

Unterboden

Die Roststellen des Fahrerkabinenbodens habe ich von innen und außen grob entrostet und gesäubert, mit Fertan-Rostumwandler behandelt, anschließend grundiert und dann lackiert. Danach habe ich alle Teile mit dem Unterbodenschutz Perma-Film gestrichen. Permafilm wird von der Firma Hodt hergestellt  und unter anderem auch als Versiegelung im Schiffs- und Tankbau eingesetzt.